Tag 19 – 27 Goin´ dirty roads, Feuerteufel, „Farmville offline & analog“, Familientreffen Part I

Datum: 19. -26. April 2011 Orte:  Cedar Key, Florida -> Climax, Georgia, USA Unterkunft:  Familie Wetter: sonnig, schwül Kilometerstand (CBF): 20712

So liebe Leserschaft – wir melden uns zurück nach fast einer Woche offline Leben in Climax, Georgia.

Climax ist ein 200 Seelen-Dorf in der Nähe von Bainbridge (nur falls irgend jemand von euch ab und zu mal auf eine Landkarte schaut).

Kleine Tippfehler sind zu entschuldigen…die Käfer hier sind so groß, dass sie beim „vom Ventilator herunter fallen“ und die Netbooktastatur treffen, durchaus ganze Sätze schreiben können mit dem eleganten „6-behaarte-Beine-System“.

Ich habe mir heute Abend etwas „alleine Zeit“ gegönnt und nun die Musse, ein paar Zeilen zu tippen. Morgen früh geht es für Nini und mich weiter Richtung Nord-Osten innerhalb von Georgia. Meine CBF habe ich übrigens seit einer Woche nicht mehr bewegt. Dafür zwei andere Spaßmobile. Aber nun der Reihe nach:

Wir haben Florida bei bestem Wetter verlassen. Die sich endlos hin ziehenden Straßen hatten wunderbaren Grip und die Moppeds wurden mit durchschnittlich 100 km/h die Meilen über die Grenze zum nächsten Bundesstaat geschoben. Meine Cousine Tina lebt mit ihrem Mann Alan und deren zwei Kindern, Taylor & Luke, seit vielen Jahren in Climax. Unser letztes „Treffen“ ist mindestens 20 Jahre her. Ein Ziel bei dieser Tour ist es, meine vielen Verwandten in den USA zu besuchen. In den kommenden Wochen werde ich also öfters diverse Familienmitglieder erwähnen. 

Am frühen Nachmittag legten wir eine kurze Kaffee-Pause ein. Danach folgten die letzten Meilen nach einem langen, heißen Tag im Sattel. Nini nutzt die vielen Stunden im Sattel der Transe übrigens dazu, sich Hörbücher rein zu ziehen. Ich hingegen entertaine mich selber mit lautem Gesinge bruchstückhafter Lieder-Texte. Bei geschlossenem Visier klingt das fast wie eine High-End-Anlage im Auto. Als Nini irgendwann der „Stoff“ ausgegangen ist, fragte sie mich an einer Ampel, was man denn so singen könnte…ich habe ihr Karnevals-Lieder vorgeschlagen.

Climax zu finden ist laut Google Maps kein Problem: vom Highway einmal links, einmal rechts und schon sind wir vor der Haustür. In der Theorie alles super – in der Praxis eher blöd für meine CBF und mich. Die „Hauptstraße“ war ein platt-gewalzter Feldweg aus Schotter & Sand. So standen wir nun am Straßenrand und Nini konnte sich das Lachen kaum verkneifen – ha ha!

Nun musste eine alternative Route her. Gesagt, getan, gefahr´n. Noch ein paar Kilometer geradeaus und die nächste links rein. Juhu – da gab es katja-tauglichen Straßenbelag. An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass die CBF durchaus in der Lage ist, auch etwas holprigen Belag unter die Reifen zu nehmen…die Katja mag das nur nicht besonders gerne 🙂

Vorbei gings an schönen Feldern + Wäldern. Wir fühlten uns fast zuhause, so sehr erinnerte uns die Landschaft an die Heimat.

Ich also bester Stimmung und in Vorfreude auf die Familie. An der finalen Kreuzung zur Zielstraße flog mir die Freude gerade wieder aus dem Gesicht.

Der Straße zu Tinas Haus besteht aus Schotter & Sand oder auch aus Sand & Schotter. Nun konnte ich also das Zelt im Gebüsch aufbauen oder hinter Nini und ihrer Enduro her. Nini hatte sichtlich Spaß daran, ihr Mopped durch das „natürliche Transen Habitat“ zu treiben. Meine CBF und ich spielten „wer hat Angst vorm Schneckentempo“ und fällt zuerst um?! Warum habe ich keine Stützräder eingepackt??? Nach ca. 300m hat sich mein Kopf durchgesetzt und einen Befehl an die Hände und den linken Fuß durch die verstopften Nervenbahnen durchgebracht. Der zweite Gang fluppte rein und die Kreiselkräfte stabilisierten die jetzt mutiger werdende CBF. Das Schwitzwasser stand sowieso hoch in meinen Handschuhen und der sexy Duft von Adrenalin würde mich nun umgeben.

Links von uns der Wald und Felder, rechts von uns ab und zu ein weitläufiges Grundstück mit einem Haus darauf. Die Briefkästen am Straßenrand gaben uns den Hinweis darauf, wie lange das „dirtroad“ Abenteuer für uns noch anhalten würde. Dann kam die letzte Hürde: Die Auffahrt zu Tinas Haus hat eine Steigung und intensive 100%-Schotter-Spurrillen. Zu dem Zeitpunkt konnte mich allerdings nichts mehr schocken – Gas geben, Lenker locker in die Hände nehmen und mein Mopped die Spur finden lassen. Schwups da waren wir alle 4 oben angekommen und steuerten über das Gras auf das Haus zu. Ein (uns zu dem Zeitpunkt unbekannter) Mann winkte uns von der Veranda zu. Nadine war als erste vor das Haus gerollt und fragte nach Tina. Alan veräppelte uns erstmal und meinte, wir seien beim falschen Haus und eine Tina würde 2 Meilen weiter die Straße hoch wohnen. Ich hatte allerdings sowieso schon entschieden, nicht mehr weiter zu fahren 🙂

Tina kam wenige Minuten später vom Einkaufen zurück. Die beiden freuten sich so sehr auf und über unseren Besuch, dass wir eine ganze Woche geblieben sind.

Die tolle Zeit bei meiner Familie verbrachten wir mit spannenden Dingen! Tina und ich tauschten erstmal den Klatsch & Tratsch der letzten 20 Familienjahre in USA + Deutschland aus. Nini erkundete das Gelände und machte Aufnahmen vom großen Grundstück. Das Haus ist über 100 Jahre alt und stand vorher in der „Altstadt“ von Bainbridge. Der Vorbesitzer hat es dort abbauen und quasi Mitten im Wald wieder aufbauen lassen. Tina & Alan haben das Grundstück inkl. Haus gekauft und sind seitdem fleißig am renovieren, instandhalten und ausbauen. Zum Grundstück gehört ein See und ein erfrischender Pool darf im warmen Süden des Landes nicht fehlen!

Taylor und ihr etwas jüngerer Bruder Luke sind echte Schätzchen und wir hatten eine Menge Spaß mit den beiden. Wenn man lange nicht mehr intensiv von Kindern umgeben war, merkt man erstmal, was man als Erwachsener so alles vermisst und auch verpasst. Vielleicht steige ich in das „rent-a-child“ Business ein 😉

Alan ist sowas wie ein „Forstwirt“ und Teilhaber einer Firma. Wie jeder Ami hat er natürlich mehrere Jobs und macht nebenher noch Immobilien-Geschäfte. Tina arbeitet als Krankenschwester auf einer Krebs-Station.

Gleich am zweiten Tag haben wir Alan bei der Arbeit besucht. Sein Job an diesem Tag war es, dass Gestrüpp (Unterholz?) in einem Waldgrundstück so abzufackeln, dass im heißen Sommer keine Waldbrände entstehen können. Der Trick dabei ist, die Bäume stehen zu lassen. Die Technik wird hier überall angewendet. Um die teils quadratkilometer großen Waldstücke effektiv bearbeiten zu können, hat er sich ein unglaublich cooles, feuerspeiendes Quad umgebaut. Sowohl Nadine als auch ich durften eine Runde drehen und ein Stück in Brand setzen. Was für ein Spaß!!! (Bitte NICHT zuhause nachmachen!)

Danach gab es eine Stadtrundfahrt durch Climax und Bainbridge mit Tina. In Bainbridge stehen wunderschöne, alte Häuser und es gibt sogar noch einen erhaltenen Stadtkern. Mittags gab es Lunch in dem Restaurant, in dem Tinas Tochter Amber (aus erster Ehe) arbeitet. Amber, ihr Freund Scott und ihren Sohn Jace haben wir bei der Gelegenheit gleich kennen gelernt. 

Nini und ich haben in den darauf folgenden Tagen die große Veranda, den Pool und den See ausgekostet. Letzteren im wahrsten Sinne des Wortes: wir waren angeln! Ich hatte das vorher noch nie gemacht – kam aber schnell mit der Rute & dem Köder klar. Nach wenigen Minuten: First fish on the hook! Ein wenig tat mir der arme Fisch schon leid…aber wer auf einen Plastikwurm reinfällt, sollte nicht länger lebendig herum schwimmen dürfen. Nini war nach zwei Stunden „die große Ernährerin“ unter uns – sie hatte insgesamt 3 Fische raus gezogen und ich nur 2. Das töten, putzen und ausnehmen haben wir ladylike Alan erledigen lassen. Danach wurde der Grill angeworfen und die frischen Fische mit viel Knoblauch, Gewürzen und Butter aufs Feuer geworfen. Lecker! So ein selbst gefangener Fisch schmeckt wunderbar!

Später war rasenmähen angesagt. Bei der Größe des Grundstücks wurde man Tage brauchen mit einem normalen Mäher. Also ab auf den Traktor und 3 Minuten Einweisung in die Bedienung bekommen. Alan saß neben mir und hat mir Theorie & Praxis am lebenden Objekt gezeigt. Nach ca. 15 Minuten hatte ich den Trekker lieb gewonnen und durfte ab sofort alleine unterwegs sein. Die nächste Stunde verbrachte ich mit dem Traktor, der Wiese und dem glückseligen Gefühls eines Kindes zu Weihnachten. Nadine betrachtete meine „Farmville offline & analog“ Abenteuer mit sicherem Abstand.

Zu einer amerikanischen Familie gehört der Bowlingabend wie der Kegelabend zu den Rheinländern. Wie lernten Alans Eltern, Al und Leah, sowie Freunde der Familie, Brandon und Deenah sowie deren Jungs kennen. Später kamen noch Brandons Eltern dazu. Es wurden lustige 4 Stunden „hardcore“ bowlen mit anschließendem Muskelkater und Schulterschmerzen für Nini und mich. Das die Kids am folgenden Tag im Pool herum geworfen werden wollten, hat zur Besserung nicht beigetragen.

Brandon und seine Familie gehen regelmäßig zur Jagd. An dieser Stelle brauche ich die Anzahl der Waffen, die hier so überlichweise in den Häusern und Autos rum liegen, nicht genau zu erwähnen. Die zusätzlichen Gefrierschränke in Brandons Haus sind voll mit Truthähnen, Reeh, Wildschwein, Eichhörnchen, Alligatoren, Dachsen, Gürteltier etc. 

Am Samstag Abend waren wir zum Essen eingeladen. Nach dem leckeren Fleisch und Beilagen „überzeugten“ uns die Kids zu einer Runde auf dem Trampolin.

Nun ist es Montag Abend und ich sitze noch immer auf der Veranda. Inzwischen ist die Familie wieder zurück. Taylor hatte ein Softball-Spiel und danach waren Alan & Tina in der Bowling-Halle für ein Liga Spiel. Leider haben alle Familienmitglieder ihre jeweiligen Spiele verloren und so war die Stimmung zuerst etwas im Keller. Nadine hat noch ein paar nette Bilder gemacht.

Nun heißt es Abschied nehmen. Die letzte Nacht in Climax. Wir planen für morgen Abend eine Übernachtung im State Park auf halber Strecke nach Augusta. Am Mittwoch werden wir dort meine Cousine Carol & ihre Familie sowie meinen Cousin Ron treffen. In Augusta werden wir voraussichtlich auch eine Woche verbringen…und dann ist schon der erste Monat rum.

K

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3 Kommentare zu “Tag 19 – 27 Goin´ dirty roads, Feuerteufel, „Farmville offline & analog“, Familientreffen Part I

  1. Hallo Ihr Zwei!Man, ich bin soooo neidisch! Allein schon dieses Haus und alle stereotypischen Dinge, die US-Amis so haben und machen… *schwärm*Viel Spaß weiterhin und passt auf euch auf!!!Gruß,Sarah

  2. Lieber Sven, vielen Dank! Da noch einige Anfragen bezüglich des feuerspuckenden Quads kamen, muss ich wohl Alan darum bitten, seine Bauanleitung hier zu veröffentlichen. Ich bin schon gespannt auf die Reaktion des deutschen TÜV und der Feuerwehr :-)Liebe Sarah, wir haben viel Spaß und passen hin & wieder auch auf uns auf 😉 Viele Grüße zurück!K

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