Tag 85 – 91 Schüsse, Gewitterstürme, Dragqueens & Kühe in Kansas

Datum:  23.-29.  Juni 2011 Orte:  Leavenworth -> Kansas City -> Garden City, Kansas -> La Junta, Colorado  USA Unterkunft:  Haus von Kim & Sean, Motel Wetter: hot hot hot, Gewitter, Wind   Kilometerstand (CBF): 29116km

Ich sitze auf dem Bett unseres Motel-Zimmers in La Junta. Im Zimmer riecht es nach Pferd & Lederpflege. Vermutlich war letzte Nacht ein Rodeo-Reiter auf der Durchreise hier drin…hoffentlich…könnte auch eine Fetisch-Party gewesen sein. Aber nun mal von vorne.

Meine Cousine Kim und ihr Mann Sean bereiteten uns einen herzlichen Empfang in Leavenworth. Die beiden leben dort mit ihrer Tochter Jessica. Die anderen beiden Kids sind bereits ausgezogen und so war mehr Platz für uns. Wir haben „unser“ Zimmer für die kommenden 5 Nächte bezogen und uns sofort wohl gefühlt. Am Donnerstag Abend haben wir uns mit Candace & Courtney Abends in Kansas City getroffen. Von dort aus ging es in eine Bar zu einer Dragqueen & King Show. Die Getränke waren unglaublich günstig – ein Pitcher Bier für 2$! Leider musste es bei einem bleiben, weil wir noch zurück fahren mussten 😦 Aber wir hatten auch so unseren Spaß. Morgens um 3 Uhr waren wir wieder zuhause und ich habe den nächsten Tag fast komplett verschlafen. Die Zeit mit der Familie war toll für mich und das Wiedersehen bzw. das erste Mal Treffen mit meiner bisher „unbekannten“ Verwandschaft super. Am Wochenende kamen Tina & Allan mit den Kindern vorbei. Die sind gerade auf der Rückreise nach Georgia aus ihrem Urlaub, so saßen wir am Samstag alle zusammen und hatten insgesamt lustige Abende. Der Samstag Morgen begann allerdings mit einer knapp einstündigen Fahrt durch ein Morgengewitter. Die Hondas hatten sich eine kleine Inspektion verdient. Alles soweit OK bei den beiden. Es gab frisches Öl und einen neuen Filter. Auf dem Rückweg kam die Sonne wieder durch und wir trafen uns auf halber Strecke mit Kim und Sean bei „Cabelas“ – einem Outdoor Laden mit gigantischen Ausmaßen. Im Laden gibt es 3 große Ausstellungen mit ausgestopften Tieren und einem Aquarium. Von Wandersocken über Angeln & Armbrüste bis hin zu Sportbooten gibt es alles unter einem Dach. Cooler Laden! Sean hat sich eine neue Waffe gekauft und Kim hat explosive Ziele für unsere geplante „Shooting Session“ besorgt. Am Sonntag früg ging es 1 1/2 Stunden mit dem Auto Richtung Süden. Dort besitzen meine Cousine und ihr Mann einige Hektar Land und nutze diese u.a. für Schießübungen. Für Nini und mich war es nun soweit und wir haben zum ersten Mal in unserem Leben mit scharfen Waffen geschossen. Sean ist ein toller Lehrer und wir hatten Spaß. Ich war von der Intensität der Druckwelle überrascht, die man noch 2-3 Meter neben der Waffe spürt, wenn sich der Schuss löst. Ein spannendes Erlebnis. Wir hatten eine tolle Zeit in Leavenworth!

Am Dienstag haben wir uns auf den fast 600km langen Weg Richtung Süd-Westen gemacht. Unser Ziel war Garden City. Die ersten 100km führten über schöne Landstraßen. Danach ging es über die Interstate 70 für die nächsten 2 Stunden. Das Wetter war gut und wenig los auf der Autobahn. Kurz hinter Salina bogen wir auf die 156, die hinter Great Bend auf den Highway 56 führt. Ab da waren wir Mitten drin im Nirgendwo. In der ersten Stunde fand ich die Landschaft noch interessant – dann wurde es irgendwann eintönig und die Kilometer liefen nicht mehr so locker. Zwischendurch immer schön den Tank auffüllen…sonst läuft man Gefahr, ohne Benzin in der Pampa zu stehen. Der Wind setzte wieder ein und wir waren die gesamte Zeit in leichter Schräglage. Die entgegen kommenden LKWs verwirrbelten die Luft so sehr, dass wir förmlich gegen eine „Wand“ prallten bei jeder Vorbeifahrt. Und dann fingen die Gerüche an. Ich kann nicht beschreiben, wie ekelhaft es die letzten Stunden gerochen hat. Die ganze Gegend lebt von der Rinderzucht. Wir sprechen hier aber nicht über 50 glückliche Tiere, die auf einer saftigen Wiese leben….wir sprechen hier über abertausende von Tieren, die Tonnen von Gasen und Ausscheidungen produzieren. 17 Kilometer vor Garden City musste ich anhalten. Direkt über der Stadt tobte ein furchtbares Gewitter und dutzende Biltze zuckten durch den schwarzen Himmel. Ich bin eine Sissi, wenn es um Motorradfahren und Gewitter geht. Nini wollte Mitten rein und ich in die andere Richtung. Der nächste Ort war aber 70km entfernt und somit keine Option…zumal der Wind in die Richtung blies und es nur eine Frage der Zeit war, bis uns das Gewitter einholen würde. Also doch auf die Stadt zu. Ich hatte die Hosen voll und fuhr Nadine hinterher. Plötzlich setze der Regen und extrem starke Windböen ein. Mich hat es fast von der Straße gefegt. Wir brauchten dringend einen Unterschlupf! Wir sind in den nächsten Feldweg rein gefahren und haben uns bei einem Haus unter gestellt. Obwohl Licht im Haus brannte, öffnete niemand die Tür. Das Gewitter wurde schlimmer und so entschlossen wir uns, die Campingstühle auszupacken und uns unter unsere Jacken zu mummeln. Nach 1 1/2 Stunden war das Schlimmste vorrüber und wir packten leise unsere Sachen zusammen. Wir hatten beide Angst, dass jemand im Haus denkt, dass wir Einbrecher sind und uns mit einer Knarre vom Hof jagt. Um 23 Uhr kamen wir am Motel an und bezogen todmüde das Zimmer….was für ein Tag.

Heute hatten wir den Hitze-Rekord. Über 40 Grad Celsius standen heute Mittag auf dem Thermometer. Die Fahrt war eine „Tortour“ für Mensch & Material. Keine Luft zum atmen, der penetrante Geruch nach Rinder-Exkrementen, die eintönige Landschaft und mein alter Freund „Dünnpfiff“ setzten uns zu. Wir waren dankbar für jede Pause in einem Laden mit Klimaanlage.  Heute haben wir nur knapp 200km geschafft. Am Nachmittag entschieden wir uns für einen Stop in La Junta. Eigentlich wollten wir noch bis nach Walsenburg. Aber bevor wir wieder in ein Gewitter rein fahren, gehen wir lieber früh ins Bett und machen uns morgen sehr früh auf den Weg.

Heute haben wir wieder eine Zeitgrenze überfahren. Wir sind nun 8 Stunden hinter Deutschland zurück.

K

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Für Fortgeschrittene – eine Bastelanleitung für eine Motorrad-Fahrt durch Kansas im Sommer.

Folgende Dinge werden benötigt: Motorrad-Helm (schwarz), Motorrad- oder Skijacke, lange Hose, Auto mit 2x 12V-Anschlüssen, 2x Reisefön mit 12V-Anschluss, ein heißer Sommertag über 35 Grad Celsius, eine große Kuhweide, einen großen & frischen Haufen Kuhmist

Sucht euch eine wirklich große Kuhweide. Die muss so groß sein, dass sie den kompletten Blick bis zum Horizont einnimmt. Dort fahrt ihr an einem richtig heißen Sommertag hin. Dann zieht ihr den Motorrad-Helm auf und die Jacke an. Wer möchte, darf auch gerne Handschuhe tragen. Dann die beiden Föns anschließen und auf höchste Stufe stellen. Einen immer aufs Gesicht pusten lassen und den anderen zwischen die Knie klemmen, um die Hitze vom Motorblock zu simulieren. Nun bleibt ihr mindestens 8 Stunden so stehen und schaut auf die Kuhweide. Zwischendurch immer mal eine ganz tiefe Nase voll von dem frischen Kuh-Guano nehmen oder auch gerne auf das Visier schmieren, damit der Geruch permanent verfügbar ist. Viel Spaß!  

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Ein Kommentar zu “Tag 85 – 91 Schüsse, Gewitterstürme, Dragqueens & Kühe in Kansas

  1. Lustig, jetzt weiß ich, woher der Begriff "Bull-Shit" wirklich stammt.Wahrscheinlich wurde in dieser Ecke auch der Moschus-Duft beliebt..Tja, in unserem gemeinsamen Zimmer hatten wir für Stinkprobleme früher ganz einfache Lösungen: Decken-Wedeln :-)Geht ja jetzt schlecht. 8 Zeitstunden hinterher? Macht nix, ich habe das Gefühl, dass ist bei mir auch so.P.S. Gewiitter sind gefährlich. Ich wäre mit dir vor den Gewiitern geflohen. Wahrscheinlich haben Blitze auch eine Nase; die sind bestimmt im Müffel-Land abgebogen. Und Hensel und Gretel-Märchen werden nun umgeschrieben in: Zwei Motorrad-Fahrerinnen stellten sich bei Gewitter vor dem Knusper-Häuschen unter. Die Hexe getraute sich nicht raus, da beide einen Schieß-Kurs belegt hatten und ziemlich nach Rinder-Shit stanken!!!

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