Tag 133 – 138 Glacier & Banff & Jasper Nationalpark + Besuch „auf“ Vulcan

Datum: 10. August – 15. August 2011 Orte: Bozeman -> Polson -> Bigfork -> Columbia Falls -> Glacier National Park -> St. Mary, Montana, USA -> Cardston, Alberta, Kanada -> Vulcan -> Calgary -> Canmore -> Banff National Park -> Lake Louise -> Jasper National Park -> Jasper -> Valemount, British Columbia -> Kamloops, British Columbia, Kanada  Unterkunft: Motel, Campingplatz, Gästebett von Maren Wetter: sonnig, kleine Schauer  Kilometerstand (CBF): 37347km

Nachdem Nadines Transalp die neuen Reifen drauf hatte, verließen wir Bozeman über die Interstate 90 Richtung Nord-Westen. Kurz hinter Missoula ging es auf die 93 Richtung Norden bis zu unserem Tagesziel – dem malerischen Städtchen Polson, welches direkt am Flathead Lake liegt. Obwohl Montana viele wunderschöne Straßen auf dem Weg Richtung Norden zu bieten hat, zogen wir an dem Tag die Autobahn vor, um es rechtzeitig bis zu Marens Haus zu schaffen. Maren hatten wir einen Tag vorher im ADV Forum kontaktiert, wo sie ihren Garten als Zeltplatz für Motorradreisende zur Verfügung stellt. Maren ist 60 Jahre jung und hat vor 6 Jahren mit dem Motorrad fahren angefangen. Inzwischen besitzt sie eine 1983´er Honda Goldwing und eine 3 Jahre alte Kawasaki KLR, um ins Gelände ausfahren zu können. 

Maren war so nett und ließ uns im Haus übernachten…so mussten wir das Zelt nicht aufbauen und konnten mehr Zeit damit verbringen, mehr über Marens interessantes Leben zu erfahren und mit ihr eine Dokumentation über einen Inder zu sehen, der alleine auf einer 250´er Royal Enfield im Himalaya unterwegs war. Am nächsten Morgen ging es nach einer Dusche + einem Frühstück weiter. Nadine und ich umfuhren den See entlang des Ostufers und genossen den blauen Himmel, die frische Luft, die schöne Aussicht auf das klare Wasser + die gute Straße. Unzählige Kirschbäume säumen das Ufer und werden alle paar Meter frisch „vom Erzeuger“ zum Verkauf angeboten. Ca. 2 Stunden später fuhren wir in den Glacier National Park ein. Die Straße schlängelt sich wunderbar durch den dichten, dunkelgrünen Wald – immer entlang des glasklaren, türkisgrün schimmernden Fluß und mit Blick auf die Berge im Hintergrund. Wenn nicht die Geschwindigkeitsbegrenzungen und die vielen Wohnmobile unterwegs wären…. 

Wenig später fährt man in Serpentinen die Berge hoch und hat zwischendurch tolle Ausblicke. Im Südwesten zogen die ersten, dunklen Wolken auf und wir versuchten, denen vorweg zu fahren. Das klaptte leider nicht. Erst trafen wir deutsche Urlauber aus Aachen und danach steckten wir für 15 Minuten in einer der zahlreichen Baustellen entlang der Strecke fest. Vor wenigen Wochen war die Straße noch gesperrt, weil zu viel Schnee lag. Nun müssen die Kälteschäden repariert werden. Dies bedeutete für uns, dass wir uns erst nass regnen lassen mussten und danach die Moppeds durch den Schlamm zu manövrieren hatten. Am Pass angekommen, steckten wir unsere Köpfe kurz in das Besucher-Center. Von den Gletschern ist leider nicht mehr viel (von der Straße aus) zu sehen. Wissenschatfler haben ausgerechnet, dass die Gletscher in 9 Jahren verschwunden sein werden – wegen der weltweiten Veränderungen im Klima. 2020 müssen die Amis den Park wohl umbenennen. Namensvorschläge können hier als Comment gepostet werden.

Am späten Nachmittag fuhren wir so langsam auf den Ost-Ausgang zu. Ein Schwarzbär war gerade auf Futtersuche und wir konnten ihn für mehrere Minuten aus sicherer Entfernung dabei beobachten. Toll!

Da alle Campingplätze oder Motels in und um den Park herum belegt waren, überquerten wir am Abend noch die 30km entfernte Grenze nach Kanada. Nun waren wir also nach ziemlich genau 2 Monaten wieder im Land mit dem Ahornblatt in der Flagge. Der Bundesstaat Alberta begrüsste uns direkt mit dicken, schwarzen Wolken und ein paar Blitzen. Wer den Blog aufmerksam verfolgt, kann nun voraus sagen, was ich in der Situation getan habe….genau – ich habe das Mopped auf der Straße gewendet und bin mit der mürrisch hinter mir her fahrenden Nadine zum Grenzposten zurück gekehrt. Dort haben wir eine halbe Stunde abgewartet. Das war wauch gut so…kein Blitz hat uns erschlagen und wir konnten fast trocken im 25km entfernten Cardston ankommen. Die rote Abendsonne leuchtet die sanften Grashügel an und ließ diese golden schimmern, während sich vor den dunklen Wolken ein Regenbogen abzeichnete. Diese Lichtstimmung war nun endlich die richtige Begrüssung in Kanada! Wenig später hatten wir ein nettes Motel gefunden und unser Zimmer bezogen. Ich zog nochmal los, um was zu Essen und Getränke zu finden. Ohne PIN geht in Kanada leider nichts mehr mit einer Kreditkarte und so musste ich zwei mal fahren, da ich die PIN für die Kreditkarte nicht auswendig konnte…nun schon.

Auf den nächsten Tag freute ich mich besonders…ich hatte ganz verdrängt, dass die kleine Stadt Vulcan in Alberta liegt und bei einem Blick auf die Karte stellte ich fest, dass es nur 60km von uns entfernt ist. Nadine hatte ich schnell überzeugt und so zogen wir mit unseren HONDA Spaceshuttles los, um einen fremden Planeten zu entdecken. Als es der kleinen Stadt vor ein paar Jahren wirtschaftlich so schlecht ging, dass gar nichts mehr ging, haben sich die Einwohner entschlossen, Kapital aus dem Namen ihrer Stadt zu schlagen. So entstand in liebevoller Eigenregie ein Star Trek Museum und ein Nachbau der alten Enterprise. Wir hatten sichtlich Spaß beim Verkleiden und Fotos machen. Lebe lang und in Frieden!

Danach ging es weiter bis nach Canmore und vorbei an Calgary. Canmore ist eine typische „Ski-Stadt“ und sozusagen das Eintrittstor in die kanadischen Rocky Mountains. Das Wetter versprach ein super schönes Wochenende und so zog es viele Autos und Wohnwagen in die Berge. Nach einem Vergleich der Hotel und Hostel Preise zogen wir es vor, die Nacht für 25$ auf einem Campingplatz zu verbringen. Dieser lag zwischen zwei Hauptstraßen und den Bahnschienen, über die der Güterverkehr rattert. Zum Glück waren wir beide so müde, dass wir trotzdem einen tiefen Schlaf hatten und wenig davon mitbekommen haben. 

Am Samstag packten wir wenig motiviert die Sachen wieder zusammen (auspackem geht schneller und macht mehr Spaß!) und zogen Richtung Norden weiter. Es ging durch Banff zum Lake Louise. Zwischendurch standen wir eine dreiviertel Stunde im Stau wegen Baustellen. Am Lake Louise angekommen, genossen wir die märchenhaften Farben des Sees und die tolle Aussicht. Ich konnte nie so ganz glauben, dass das Wasser in den Seen wirklich so türkis ist. Entweder haben die Kanadier in alle Flüsse und Seen Farbe gekippt…oder es ist echt. Jedenfalls ist der Anblick der Landschaft manchmal so kitschig schön, dass man ein klebriges Gefühl auf der Zunge bekommt. Am Lake Louise nahmen wir ein Picknick-Mittagessen ein und fuhren danach noch zum benachbarten See, der in der Schönheit der berühmten Schwester nicht nachsteht. Weil es so schön war, gönnten wir uns dort einen Kaffee + ein Stück Kuchen. 

Inzwischen war es später am Nachmittag und wir machten uns Sorgen, ob wir am Abend in Jasper einen Platz zum Schlafen finden würden. So zogen wir etwas mehr am Gas, um die 200km noch zu schaffen. Die Strecke ist fahrerisch wenig anspruchsvoll – dafür aber ein Leckerbissen für die Augen! Am „Icefield“ stoppten wir kurz, um dem Gletscher einen Besuch ab zu statten. Leider zieht sich der Gletscher auch immer weiter zurück und so mussten wir in voller Motorrad Montur den Anstieg hochstiefeln. Es war bitter kalt und der Weg steinig & steil…aber was tut man nicht alles, um mal einen Gletscher bzw. das dicke Eis von Nahem zu sehen. Nach dem Anstieg war der Kreislauf ordentlich angekurbelt und uns war wieder war. Runter laufen war leichter und die Moppeds waren noch schön warm. Also weiter! Auf einer Bergkuppen trafen wir endlich auf die „weißen Bergziegen“ – die Tierchen hatten uns bislang noch in der „Sammlung“ gefehlt. Kurz vor Jasper „trafen“ wir dann noch einen Schwarzbären, der mal wieder auf Futtersuche durch das Gras schnupperte, um Blüten & Beeren zu finden. Inzwischen war es nach 21 Uhr und wir mussten in Jasper fest stellen, dass alle Hotels & Campingplätze belegt waren. Wir bekamen aber den Hinweis auf einen „Overflow Campingplatz“ ca. 25km außerhalb der Stadt, wo es außer Plumsklos nichts gab und Lagerfeuer verboten ist. Egal…wir mussten ja schließlich irgendwo übernachten. Während wir also mit frischem Wasser und zwei Schokoriegel beladen aus der Stadt Richtung Nord-Osten raus fuhren, ging links von uns die Sonne rot hinter den Bergen unter und rechts von uns der Vollmond über den Bergen auf. Im Schein dieser romantischen Stimmung, kamen wir auf dem Ausweich-Platz an und bauten im letzten Licht unser Zelt auf. Danach ging es todmüde ab in die Schlafsäcke.

Am Morgen wieder die gleiche Routine…nur diesmal ohne Unterstützung durch heißen Kaffe. Den gönnten wir uns später in Jasper zusammen mit Croissants und Gebäck. Frisch gestärkt ging es auf den Highway Richtung Südwesten. Zuerst mussten wir allerdings den nördlichsten Punkt unserer Reise irgendwo auf der Landstraße passieren. Das Wetter war nicht so toll und aus den tief hängenden Wolken kamen die ersten Tropfen. Nach knapp 1 1/2 Stunden überfuhren wir die Grenze zum Bundesstaat British Columbia. Zeitgleich haben wir damit auch wieder eine Zeitzone überfahren. Nun sind wir also 9 Stunden hinter Deutschland zurück und wir haben eine Stunde zum länger schlafen gewonnen. Unser Tagesziel, die Stadt Kamloops, war insgesamt eine Etappe von 450km. Nini und ich waren uns beide einig, dass wir nicht so spät ankommen wollten, um uns in Ruhe ein Hotel zu suchen und genügend Zeit für die notwendigen Erledigungen haben würden. So hielten wir uns unterwegs wenig auf und „schrubbten“ Kilometer im Regen. Hier und da hielten wir an, um Kaffee & Benzin nach zu schütten. Die kanadischen Preise & Portionen sind sehr europäisch….USA ist wesentlich günstiger. Gestern trafen wir also am frühen Abend in Kamloops ein und haben ein frisch renoviertes Motel mit sehr netten Inhabern gefunden. Wir verbrachten den Abend mit Wäsche waschen, einkaufen, Motorräder waschen etc. Eigentlich wollten wir heute Richtung Vancouver / Vancouver Island aufbrechen. Heute früh haben wir aber entschieden, dass wir noch eine Nacht bleiben wollen. Uns geht es zwar bis auf kleine Zipperlein ganz gut…aber wir sind beide platt und spüren im Moment die vielen Kilometer, die wir in den letzten Wochen zurück gelegt haben. So verbrachten wir heute einen gemütlichen Tag. Morgen früh geht es dann also ca. 500km bis nach Victoria auf Vancouver Island. Dort haben wir eine Einladung von einer Couchsurferin. Die Überfahrt mit der Fähre wird ungefähr 1 1/2 Stunden dauern. Wir sind beide sehr gespannt auf die Stadt und die Insel. Alles was wir bsilang darüber gehört haben, klang wunderbar! 

Unsere Papiere für den Transport der Motorräder nach Australien sind eingetroffen und wir werden diese bei Scott & Julie abholen, zu denen wir die Post haben weiterleiten lassen. Gestern hat Nadine mit einem Mitarbeiter des australischen Speditionsunternehmens telefoniert. Es scheint alles klar zu gehen und so planen wir, die Moppeds Mitte September in Los Angeles zur Verschiffung ab zu geben.

K.

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4 Kommentare zu “Tag 133 – 138 Glacier & Banff & Jasper Nationalpark + Besuch „auf“ Vulcan

  1. Tolle Photos von atemberaubend schöner Landschaft!Da möchte ich auch irgendwann mal hin und mit einem Wohnmobil über die Strassen tuckern und Motorradfahrer ärgern 😉

  2. Suuuuuper, nu muss ich mir wieder die Neidpickel ausdrücken gehen *schnief*Es ist wirklich toll eure Erlebnisberichte zu lesen und die Bilder sind wirklich klasse. Viel Spass und vor allem wenig Regen euch beiden Weiterhin :)LGFrank

  3. Hallo Sven,mach´ das! Aber wir beide können das mit dem Wohnmobil fahren vorher im Bergischen Land üben…Du mit dem Wohnmobil vorweg und ich mit dem Mopped hinterher…und wenn ich Dir in Deinem Rückspiegel eindeutige Handzeichen gebe…fährst Du rechts ran und lässt mich vorbei :-)LGKatja

  4. Hallo Frank,ich hoffe, die Pickel sind nicht zu groß 🙂 Vielen Dank für die guten Wünsche.Liebe Grüße an Dich und die Familie!VGKatja

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