Tag 264 – 269 Entlang der Küste & Weihnachten in den Bergen

Datum: 20.12.2011 – 25.12.2011 Orte: Gerroa, New South Wales -> Nowra -> Batemans Bay -> Bermagui -> Bega -> Genoa, Victoria -> Lakes Entrance -> Bairnsdale -> Omeo -> Bright, Victoria,  AUS  Unterkunft: Camping, Motel  Wetter:  viel Regen und ab und zu mal Sonne Kilometerstand (CBF): 48603km

Das Wetter in Gerroa wurde etwas besser und wir blieben bis zum 21.12. dort. Leider wurde es aber nie richtig warm und an einen entspannten Strand-Tag war nicht zu denken. Dieser Sommer in Süd-Ost-Australien scheint offenbar so wie der Sommer 2011 in Deutschland zu sein: zu kalt & zu nass. Wenn denn dann die Sonne mal durch kommt, wird es gleich richtig warm. Den größten Teil der Tage versteckt sie sich aber hinter einer dichten Wolkendecke, aus der es regelmäßig wie aus Eimern runter regnet. Hinzu gesellen sich viele Gewitter. Dennoch haben wir oft Glück und finden rechtzeitig Unterschlupf oder fahren dem Regen vorweg. 

Die beiden Köllnerinnen, Pia und Andrea, fuhren am nächsten Tag ab – aber nicht bevor wir die Kontaktdaten & die grobe Routenplanung ausgetauscht hatten. Dabei wurde schnell klar, dass wir uns bestimmt wieder treffen werden. 

Am Mittwoch verzurrten wir wieder alles Gepäck auf den Hondas und folgten dem Highway 1 – genannt „Princess Highway“. Wie Prinzessinnen fühlten wir uns aber gar nicht. Kaum waren wir 15km unterwegs, wurden wir unfreiwillig von oben komplett geduscht. Hinter der nächsten Hügelkette waren aber schon wieder blaue Flecken zwischen den Wolken zu erkennen und den Rest des Tages blieben wir trocken. 

Zwei Tage vorher hatten wir uns spontan mit David auf dem Campingplatz zu einem Treffen verabredet. David ist sehr passionierter Motorradfahrer und hatte sich im ADV-Forum angeboten, uns bei der Tourenplanung für die kommenden Tage zu unterstützen. So kam es, dass wir 2 Stunden mit ihm zusammen im Aufenthaltsraum gesessen haben. Er hatte sein Notebook mit gebracht und zeigte uns ein paar Fotos seiner Touren und schaute sich sehr interessiert ein paar unserer Bilder aus Nordamerika an. David kennt in New Soth Wales quasi jeden Busch und jeden Feldweg. Oft ist er tagelang auf einer seiner Enduros „querfeldein“ unterwegs. Auf einer seiner Touren wurde er, gemeinsam mit anderen Reisenden, von einer Flut überrascht und alle mussten mit dem Helikopter ausgeflogen werden. Die Evakuierten mussten alle Fahrzeuge und Habseligkeiten auf dem überfluteten Campingplatz zurück lassen.Die Reparatur der Strasse dauerte über einen Monat – erst dann konnten die Leute ihre Autos, Motorräder, Wohnmobile, Kleidung, Ausrüstung etc. wieder abholen kommen! Wenn man solche Geschichten erzählt bekommt, dann wird man ganz schnell sehr glücklich, wenn einem selber so etwas noch nicht passiert ist… Wir markierten uns einige Orte und Straßen in unserer Karte und verabschiedeten uns herzlich von David. Es ist immer wieder so schön, die Verbundenheit und die Unterstützung von anderen Motorrad-Fahrern zu erleben!

Nadine und ich hatten gute Reisetage und schöne Strecken in den letzten Tagen. Der Princess-Highway ist landschaftlich und fahrerisch deutlich schöner als der Bruce-Highway. Zwischendurch kam immer wieder die Sonne durch – aber es wurde nie zu heiß in voller Motorrad-Ausrüstung. Nachdem wir monatelang fast nur in Jeans und Turnschuhen gefahren sind (außer im Norden der USA und in Kanada), kamen unsere Hosen und Stiefel mal wieder zum Einsatz. Sehr zur Freude von Nadine, die dann deutlich mehr Platz auf ihrem Sitz hat, weil ihre Gepäckrolle im Rücken nicht so voll ist. Die Ärmste hängt sonst immer ganz schön „eingequetscht“ auf der Transe zwischen Rolle und Tankrucksack. Auf der CBF ist es da deutlich angenehmer. Die Sitzbank bietet mehr Platz und so habe ich ausreichend Bewegungsfreiheit trotz der gesamten Campingausrüstung „im Rücken“. 

Immer mal wieder bogen wir auf kleinere Nebenstraßen Richtung Küste ab und hatten wunderbare Ausblicke auf die Strände. Die frische Meeresbrise wehte immer wieder durch das Visier und machte Lust auf „meer“. Die Temperaturen sind im Moment aber sehr abschreckend…sowohl die der Luft als auch die des Wassers. Am Nachmittag hatten wir nochmal das Vergnügen, eine Herde Känguruhs zu sehen, die auf einem Fußballplatz das Gras abknabberten 🙂

Am Abend bezogen wir in Bega ein Motel, wärmten uns unter einer heißen Dusche und nahmen unsere Isomatten zum trocknen mit in das Zimmer. Die Motorräder bekamen noch eine kleine Behandlung mit Kettenspray und dann konnten wir es uns im großen Bett gemütlich machen. Der Inhaber des Hotels brachte uns noch einen Ausdruck eines Reiseberichtes vorbei. Vor 4 Jahren hatten seine Frau und er einen Motorrad-Weltreisenden aus Kasachstan zu Gast, der kein Wort Englisch sprach – trotzdem hatten sie Spaß und haben ihn nicht vergessen. 

Am Tag darauf wachten wir auf und die Sonne schien. Also ab auf die Motorräder und weiter. Vorher gab es natürlich einen Kaffee und ein paar Toasts zur Stärkung. Knapp 120km Kilometer hinter Bega überfuhren die „Grenze“ zum nächsten Bundesstaat. Wir waren in Victoria angekommen. Der Highway ist ein Traum für Landstraßen-Fahrer! Die Strecke schlängelt sich ganz herrlich durch die Wälder, vorbei an Wiesen und erlaubt zwischendurch einen Blick aus Meer. Auf manchen Abschnitten hat man für 100 Kilometer keine einzige Ortsdurchfahrt. In dicht besiedelten Deutschland fast unvorstellbar. Da freut man sich in manchen Gegenden schon, wenn man mal 10km freie Strecke hat. Am späten Nachmittag fuhren in das Touristenstädtchen Lakes Entrance ein. Nach 400 Metern sah ich den Campervan von Pia und Andrea auf einem Parkplatz stehen. Nadine hatte sie noch nicht entdeckt und sauste fluchend an mir vorbei, während ich sehr spontan abbog und neben dem Camper zum stehen kam. Wir freuten uns sehr, die Beiden so schnell wieder zu treffen und verabredeten uns darauf, auf „ihrem“ Campingplatz ebenfalls unser Zelt auf zu schlagen. Schnell hatten wir unsere Essensvorräte zusammen gebracht und genossen einen weiteren, sehr schönen Abend mit unseren neuen Freundinnen aus Köln bei Wein, Würstchen, Salat und Gemüse. Als wir alle kurz vor Mitternacht durchgefroren waren, räumten wir den Tisch ab und alle verkrochen sich in ihre Betten. Pia & Andrea reisten am nächsten Tag nach einem gemeinsamen Frühstück weiter und wir blieben noch eine Nacht. Der Campingplatz war zwar nicht der Schönste…um es diplomatisch auszudrücken – aber ich konnte mal in Ruhe die Motorräder in der Waschanlage sauber machen und am Nachmittag war genügend Zeit für einen Spaziergang zum Strand und durch den Ort. 

Für die Weihnachts-Tage haben wir uns einen Ausflug in die Berge geplant. So machten wir uns am 24.12. Morgens auf den Weg. Über uns hingen dicke Wolken und die Berge (na ja…es sind eher Hügel) waren im dichten Nebel. Wir hofften einfach darauf, dass in ein paar Stunden die Sonne durch kommen würde. Wir ließen Lakes Entrance hinter uns und besuchten ganz kurz das benachbarte Metung, welches besonders schön und beliebt bei Urlaubern sein soll. Kurz vor Bairnsdale bogen wir ab auf die B500 – oder auch „Great Alpine Route“ genannt. Wir wurden nicht enttäuscht und der Name wird der Realität gerecht. Eine ganz wunderbare Strecke! Kaum hatten wir die erste Hügelkette hinter uns gelassen, hatten wir strahlend blauen Himmel und die Sonne brannte so heiß, dass wir bald am Straßenrand anhalten mussten, um die Fleecejacken aus zu ziehen. Wir sausten zuerst durch dichte Wälder und mussten immer wieder stark vor den teils sehr engen Kurven abbremsen. Danach ging es durch ein Tal immer am Fluß entlang. Bald öffnete sich das Tal und gab den Blick auf weite Kuh-Wiesen und sanfte Hügel frei. Es ging immer weiter bergauf und es machte uns beiden unglaublich viel Spaß hier entlang zu fahren. In Omeo füllten wir Benzin auf und machten eine Zigaretten-Pause. Hinter den Bergen türmten sich die Wolken auf und gerade als wir auf die Maschinen stiegen, war das erste Donnergrollen zu hören. Auf ein Gewitter in den Bergen hatte ich ja nun gar keine Lust! Aber das Wetter zog in eine andere Richtung und wir kamen trocken in einem „der“ Skigebiete Australiens an. Es ist immer noch seltsam, dass a) wir Weihnachten im Sommer verbringen und wir b) am 24.12. durch ein Skigebiet in Australien bei Sonnenschein fahren. Auf der Bergkuppe angekommen, wurde es ganz schön frisch. Nun lag die Abfahrt vor uns. Das war vielleicht ein Geschlängel. Fast 40km nur Links-Rechts-Links-Rechts…. bei max. 40km/h. Zum Glück kamen uns in den Kurven keine Autos mit Wohnwagen hinten dran entgegen..oder LKWs. Die Städtchen hier sind malerisch verschlafen und sprühen echten Charme aus. In Bright kamen wir gegen 15.00 Uhr an. An einem Kreisverkehr mussten wir kurz anhalten und uns nochmal anhand der Karte vergewissern, wo es nun zum Campingplatz geht. Da hielt eine BMW GS neben uns an und wir wurden mit den Worten „Viva Colonia“ begrüsst. Das Paar organisiert Motorrad-Fernreisen und kommt aus der Nähe von Köln. Die Zwei sind gerade mit einer Gruppe Kunden hier unterwegs und wir tauschten uns kurz über unsere und deren Reise aus. Dann zogen sie weiter und wir hatten die richtige Ausfahrt im Kreisel gefunden.

Bei unserer Ankunft wurden wir sehr freundlich von der Besitzerin Barbara (aus Irland) begrüsst und durften uns einen netten Campingspot selber aussuchen. Während ich das Zelt aufbaute, fuhr Nadine nach Bright zum einkaufen. An den Feiertagen haben auch hier die Geschäfte geschlossen und die Öffnungszeiten der Läden sind grundsätzlich in Australien sehr gewöhnungsbedürftig… 

Ich schloss meinen MP3-Player an unsere Reiselautsprecher an und sang fröhlich Weihnachtslieder mit, während ich unser „zuhause“ herrichtete. Nadine kam eine halbe Stunde später mit prall gefüllten Koffern zurück und verstaute alles im Kühlschrank. Zum Glück ist es noch sehr ruhig auf dem Campingplatz. Die Urlaubs- und Festtagssaison geht ab dem 26.12 los – dann werden hier über Nacht 500 Gäste (davon 120 Kinder) anreisen!!! Noch haben wir die Küche und den Kühlschrank für uns!

Unser Weihnachtsessen fiel zwar nicht ins Wasser – aber ein Gewitter zog auf und es schüttete mal wieder aus Eimern. Dazu Donner und Blitze. Nicht ganz so festlich…aber wir ließen uns frisches Känguruh vom Grill + Lamm-Thymian-Würstchen & Salat schmecken. Dazu gab es eine Pulle Weißwein und Weihnachtsmusik. Leider funktionierte das Internet an dem Abend nicht und so konnten wir keinen Kontakt mit der Heimat aufnehmen. Wir spielten noch eine Stunde Karten und verzogen uns danach in den TV-Raum, bis der Regen nachgelassen hatte. Gegen Mitternacht krabbelten wir in die Schlafsäcke. Heute früh wurde erstmal ausgeschlafen. Danach gab es lecker Frühstück und dann ging auch das Internet. Ansonsten hat es fast den ganzen Tag wieder geregnet. Vor ca. 15 Minuten kam die Sonne durch und wir hoffen, dass unsere Wäsche noch trocken wird. Unser Campingplatz liegt eingerahmt zwischen Bergen und keine 200 Meter hinter unserem Zelt fließt ein Fluss vorbei. Dies als Hinweis bzw. Erklärung zu den Bildern und damit ihr wisst, wie es hier aussieht – in unserem „Weihnachtsquartier“. Ich war heute auf „Vogeljagt“ mit der Kamera. Die sind ganz schön scheu…aber vielleicht lag es auch an meiner blinkenden Weihnachtsmann-Zipfelmütze 😉

Wir werden am 27.12. abreisen und die Alpine-Road bis nach Wangaratta fahren. Danach geht es wieder Richtung Süd-Westen bis kurz vor Melbourne.

Wir wünschen allen unseren Freunden/innen, Familien, Leserinnen & Lesern ein paar ruhige Feiertage, viel leckeres Essen, schöne Geschenke und eine gute Zeit!

Wer sich in die Ferne träumt, der sollte sich die aktuelle Ausgabe der „Motorrad Abenteuer“ kaufen. Dort ist u.a. der Reisebericht über das australische Outback von unseren „Motorrad-Freunden“ Katja & Jens Witte zu lesen und bestimmt wunderbare Bilder zu betrachten! An dieser Stelle nochmal viele Grüße nach Südamerika, wo die beiden inzwischen sind und weitere Abenteuer erleben! 

Frohe Weihnachten

Eure Katja & Nadine

P.S.: Nadine hat vor ein paar Tagen die Karten unserer bisherigen Reise auf unserer Webseite www.niniundkatjaontour.de aktualisiert. Und wer noch aktueller über unsere Reise informiert bleiben will, dem sei nochmal der Hinweis auf unsere Facebook Fan-Seite gegeben:Nini und Katja on Tour

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3 Kommentare zu “Tag 264 – 269 Entlang der Küste & Weihnachten in den Bergen

  1. Ihr Lieben, frohe Weihnachten!! Vielen Dank für die wunderbare Berichterstattung und dran denken: Kein offenes Feuer in der Nähe von Koalas, um keine Verpuffungen zu riskieren ;)Viele liebe Grüsse auch von Frauke und Fr. Dr.,Big hug, Steffi (sitze gerade in CGN und warte auf den Flug nach DD, Station 2 der Weihnachtsrundreise…)

  2. Hey Ho, scheiß Gefühl ohne Internet. So, habe mich zu Starbucks gemacht um eure Berichte zu lesen und um Fotos zu gucken. Das werden Kaffeerechnungen die nächsten Monate… Leider kann ich im Mai keinen Urlaub nehmen, dass war das erste,. was ich heute morgen überprüft habe.. shit, dass wäre ein Empfang geworden..Noch sooo lange…. Und Silvester ist doof ohne euch.Ganz viel Spaß weiterhin und ich poste jetzt ab und zu als Vanilla-Latte 🙂

  3. Hallo Ihr zwei,wir wünschen euch ein frohes neus Jahr. Immer wieder schön eure Berichte zu lesen.LGAlex & Anja

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