Tag 270 – 282 Mount Buffalo, Pinguin-Parade, Sylvester in Melbourne & die „Great Ocean Road“

Datum: 26.12.2011 – 06.01.2012 Orte: Bright -> Wangaratta -> Alexandra -> Melbourne -> San Remo -> Newhaven -> Phillip Island -> Melbourne -> Torquay -> Apollo Bay -> Warrnambool , Victoria,  AUS  Unterkunft: Camping  Wetter:  von eiskalt zu knall-heiß  Kilometerstand (CBF): 49968km

Frohes Neues aus Warrnambool!

 

Wir sind schon Mitten im neuen Jahr (nur noch 360 Tage bis Weihnachten!) und ich muss mich an den 26.12. zurück erinnern. Mal schauen, ob ich noch alles zusammen bekomme und mir wieder ins Gedächtnis rufen kann….

Am 2. Weihnachtstag („Boxingday“) spielte das Wetter endlich mit und wir konnten uns am Nachmittag zu einem kleinen Ausflug auf den Mount Buffalo aufmachen. Von unserem Campingplatz aus in Porepunkah (Bright) sind es nur wenige Kilometer zum Mount Buffalo National Park. Die höchste Stelle des Berges ist „The Horn“ auf 1723m. 

Die Hondas und wir schlängelten uns den Berg hoch und genossen die tolle Aussicht. Oben angekommen liefen Nini und ich die Aussichtsplattformen ab, die einen herrlichen Blick auf die Landschaft bieten. Danach fuhren wir noch spazieren, nutzen die Zeit und die fast leeren Straßen für eine kleine Foto-Session und machten uns auf den Weg ins Tal. Dabei stoppten wir immer mal wieder, um die Wasserfälle zu betrachten oder den Vögeln bei einer Zigarette zu lauschen. So klangen unsere Weihnachtstage in den Bergen schön aus und wir machten uns auf den Weg Richtung Melbourne.

Von Bright aus folgten wir der B500 zuerst Richtung Norden bis nach Wangaratta. Die Strecke war schön – aber nicht mehr so spektakulär wie der Anfang der Great Alpine Route. Wir folgten kleineren Nebenstraßen in den Lake Eildon National Park. Die letzten 100 km hatten es ganz schön in sich! Eigentlich ist es landschaftlich und straßentechnisch eine Motorrad-Traum-Piste…allerdings muss man sich in Australien andauernd fragen, ob denn bei den vielen tausenden Ingenieuren und Handwerkern, die nach Australien ausgewandert sind, kein einziger dabei war, der sich mit Straßenbau auskennt??? Die Straßendecke ist ein riesiger Flickenteppich, die Schlagloch-Dimensionen schwanken zwischen Waschbecken und Badewanne, in jeder(!) Kurve liegt in der Mitte der Fahrbahn eine Schaufelladung Rollsplitt und/oder Dreck… Unsere Reifen waren zu dem Zeitpunkt längst für einen Wechsel überfällig und so gurkten wir je nach Straßensituation mit 25 – 60 km/h um die Kurven, die Berge hoch und runter usw. Zwischendurch stoppten wir, um die wunderbare Aussicht auf die Seenlandschaft zu fotografieren. Am Abend kamen wir ziemlich kaputt in Alexandra an. Da es nach 18.00 Uhr war, hatten natürlich fast sämtliche Läden geschlossen und der Ort war wie ausgestorben. Die nette Dame an der Tankstelle gab es uns eine Wegbeschreibung zum nächsten Campingplatz. Nadine hat es irgendwie geschafft, ein paar Lebensmittel zu besorgen (für Sandwiches) und wir krabbelten bei Einbruch der Dunkelheit in die Schlafsäcke. Sonst gab es auf diesem Platz auch nichts zu tun….die Einrichtung war aus den 50´er Jahren und nie mehr modernisiert worden. Auf die Frage hin, ob es einen Internetzugang gäbe, wurden wir angeschaut, als ob wir uns nach den Standorten der iranischen Atomraketen erkundigt hätten. 

Von Alexandra aus nahmen wir eine direkte Route nach Melbourne bzw. in die Vororte auf. Wir hatten einen Tip bekommen, wo wir schnell und „günstig“ an neue Reifen ran kommen. So landeten wir in einem „Motorrad-Mekka“ in der Nähe von Ringwood. Ein gesamter Block an der Hauptstraße besteht ausschließlich aus Motorrad-Händlern, Zubehör & Bekleidungsläden, mehreren kleinen Werkstätten und Reifenspezialisten. Nach ein wenig herumfragen standen wir bei Dennis vor der Werktstatt-Tür.

Er hatte die Reifen für die Transe und die CBF in den passenden Größen da und konnte diese innerhalb der nächsten 2 Stunden aufziehen. Prima! Als wir die Preise hörten, bekamen wir gleich mal wieder den „australischen Schockzustand“…die Reifen sind hier fast doppelt so teuer wie in Deutschland oder auch in den USA. Aber über die Preise, das Lohnniveau und den Arbeitsmarkt in Australien kann man Romane schreiben….Wir können nur jedem arbeitssuchenden Mechaniker oder Bergbau-Ingenieur dringend empfehlen, sich bei den australischen Minenbetreibern zu bewerben. 

Während wir darauf warteten, dass unsere Maschinen die neuen Schlappen aufgezogen bekommen, riefen wir mal bei Pia & Andrea an, um uns nach deren Aufenthaltsort zu erkundigen. Unsere neuen Kölner Freundinnen hatten sich auch schon gefragt, wie es Nini und mir wohl geht 🙂 Nach ein paar Minuten schnacken am Telefon war klar, dass wir uns am Abend auf Phillip Island treffen und wir unser Zelt mit auf den Platz von den Beiden stellen können. Unsere Bikes wurden pünktlich fertig und wir schwangen uns auf die mautpflichtige M3. Mal schauen, ob die Betreiber ausländische Kennzeichen bearbeiten 😉 Von der M3 ging es auf die M420 bis nach San Remo. Dort überquert man eine ca. 400m lange Brücke und ist auf Phillip Island angekommen. Den richtigen Campingplatz und den Stellplatz hatten wir schnell gefunden. Das Wiedersehen mit Pia & Andrea war sehr freudig und wir tauschten unsere Erlebnisse über Weihnachten aus. Direkt neben unserem Stellplatz saß ein Koala im Baum! Nun habe ich auch meinen ersten Koala gesehen!!! Jetzt fehlt nur noch ein lebendes Wombat 🙂

Nadine meldete uns für die „Pinguin-Parade“ am nächsten Abend an. Den Tag verbrachten wir mit einem Besuch bei der Rennstrecke und mit einem ausgedehnten Spaziergang an einem der schönsten Küstenabschnitte. Dort konnten wir schon die kleinen Pinguine in ihren Nestern beobachten! Die „Show“ am Abend habe ich mit sehr gemischten Gefühlen erlebt. Aus Sicht eines Naturfreundes ist es natürlich toll, wenn man viele hunderte Pinguine dabei beobachten kann, wie sie über den Strand zu ihren Nestern laufen, um ihre Kleinen zu füttern…wenn nur die anderen Touristen nicht wären….Wie immer, wo es um viel Geld und Massentourismus geht, teilt man sich dieses

„Naturschauspiel“ mit bis zu 2000 Menschen, die Popcorn & Pommes essend auf der Tribüne sitzen und dabei mit ihrem Handy telefonieren. Kaum waren die ersten 50 Pinguine aus dem Meer an den Strand geschwommen und bis in die Dünen gewatschelt, standen ca. die Hälfte der Zuschauer auf und verließen ihre Plätze unter lautem Getöse, schüttelten ihre Sitz & Picknickdecken aus und ließen ihren Müll inkl. Essensresten einfach liegen. Innerhalb von einer Stunde waren nur noch wenige Menschen da und wir hatten ab da einen guten Blick von den unteren Rängen aus. Auf dem gesamten Gelände ist fotografieren nicht gestattet. Auf dem Rückweg zum Parkplatz haben wir noch ein paar Pinguine gesehen und aus sicherem Abstand ohne Blitzlich fotografieren können. 

Am 30.12. machten wir uns auf den Weg Richtung Melbourne. Wir hatten uns dazu entschieden, Sylvester dort zu verbringen. Nach etwas Internetrecherche und ein paar Telefonaten fanden wir einen freien Campingplatz bis zum 2. Januar. Am Nachmittag kamen wir im melbourner Stadtteil/Vorort Coburg an, der übrigens gleich neben Heidelberg liegt 😉 

Am Sylvester Abend trafen wir uns mit Jana, einer ehemaligen Arbeitskollegin von mir. Wir saßen beim Mexikaner und erzählten uns gegenseitig, was wir in den letzten 3 Jahren jeweils gemacht haben und wie uns unsere Wege jeweils nach Melbourne geführt haben. Gegen 23.00 Uhr verabschiedeten wir uns von einander. Nini und ich besorgten uns jeweils ein kleines Piccolöchen und fuhren nach Coburg zurück. Mit unseren Campingstühlen unterm Arm, zogen wir zu Fuß ein Stück die Straße hoch. Auf der Kuppe hatten wir einen tollen Blick auf die gesamte Stadt und schauten uns das Feuerwerk an. Pünktlich um Mitternacht öffneten wir die Fläschchen und stießen auf das neue Jahr an.

Am Neujahrstag schlenderten wir ein wenig durch die Innenstadt, hielten kurz am Museum, besorgten noch ein paar Lebensmittel etc. Am Abend bereiteten wir uns schon wieder auf die Abreise vor und versuchten die Wäsche im letzten Sonnenstrahl trocken zu bekommen. Auf dem Campingplatz haben wir u.a. Markus aus Gladbeck kennen gelernt, der mit seinem Fahrrad in Australien unterwegs ist. 

Am 2. Januar ging es Vormittags Richtung Geelong und Torquay los. Wir hatten die Reisewelle nicht sooo schlimm erwartet, wie es dann wurde. Ab Geelong ging eigentlich gar nichts mehr auf den Straßen vorwärts. Jeder Australier mit einem Auto schien sich Richtung Küste/Great Ocean Road zu schieben. Hinzu kam eine fast unerträgliche Hitzewelle an diesem Tag, die das Atmen unter dem Helm unmöglich machte. Vom Landesinneren zog ein bis zu 40 Grad heißer Wind aufs Meer raus. Also selbst direkt an der Küste gab es keine Abkühlung. Wir steckten Mitten in der Autoschlange und kamen oft nur im Schritttempo vorwärts. Am Nachmittag waren wir beide völlig ausgelaugt und ausgesaugt. In einem Supermarkt kauften wir uns mehr Wasser und gekühlte Sportgetränke, um halbwegs senkrecht auf den Maschinen zu bleiben. Ohne Reservierung war auf allen Campingplätzen entlang der Küste nichts möglich und trotzdem klapperten wir alle ab, um vielleicht doch eine kleine Ecke für unser Zelt zu bekommen. Erst kurz vor Apollo Bay hatten wir Glück und bekamen einen kleinen Zeltplatz. Kurz nach uns kamen Judith & Marij aus den Niederlanden mit ihrem Mietwagen an. Die beiden bekamen den letzten freien Zeltplatz neben uns. Kaum hatten wir die Zelte aufgebaut, lernten wir die Bewohnerinnen der 2 Nachbarzelte kennen. Wir 8 mussten herzlich darüber lachen, dass wir für eine Nacht die „kleine, internationale Lesbenzeltstadt“ errichtet hatten. Die zwei australischen Paare kommen aus Adelaide und sind für ein paar Tage auf Urlaubsreise. Die Niederländerinnen sind länger unterwegs und zogen leider am nächsten Tag wieder weiter. Ich hätte gerne noch mehr über Marij und ihre Reise mit dem Fahrrad von Bangkog nach Eindhoven erfahren, die sie vor ein paar Jahren unternommen hatte. Aber wir haben die eMail-Adressen ausgetauscht und vielleicht sehen wir uns ja in Europa wieder.

Nini und ich beschlossen, zwei Nächte auf dem Campingplatz zu bleiben. Wir mussten neue Kräfte sammeln und konnten wenigstens ein paar Stunden den Strand und das klare, kühle Wasser des „Südmeeres“ genießen. Nadine lieh sich (endlich!) ein Bodyboard aus und tümmelte sich in den Wellen. Ich probierte es auch mal aus und nach ein paar verpassten Wellen konnte ich eine mit dem Board „abreiten“! Cool….mehr davon, bitte!

Vorgestern zogen wir los, um den Rest der „Great Ocean Road“ noch zu erleben. Zum Glück hatten sich die Temperaturen wieder auf ein erträgliches Maß abgekühlt und der Wind hatte gedreht. So hat das Fahren wieder Spaß gemacht. Wir hatten eine kurze Tagesetappe von nur 160km geplant, um für alle Aussichtspunkte und Mini-Wanderungen Zeit zu haben. Und so hielten wir natürlich auch an fast allen an – u.a. bei „The Twelve Apostles“, „Loch Ard Gorge“, „London Bridge“ etc.

Unterwegs traffen wir Harry aus den Niederlanden, der auf einem Mietmotorrad unterwegs ist. Wir hatten leider nur knapp eine viertel Stunde Zeit…aber in den wenigen Minuten war klar, dass Harry ungefähr 5 Tage lang von seinen Motorrad-Reisen erzählen könnte (Saudi-Arabien, Thailand, Kambodscha, Südamerika uvm.). Schön, wenn man im Rentenalter so fit und lebensfreudig ist, um solche Touren zu unternehmen!

Am Abend kamen wir in Warrnambool an. Das touristische, aber ganz nette Städtchen ist natürlich auch gerade in der Hochsaison und ziemlich überlaufen. Wir haben allerdings noch einen Platz bekommen und werden heute die 3. Nacht hier verbringen. Ich habe noch nicht viel von der Stadt und vom Strand sehen können, da es mir gesundheitlich gerade gar nicht gut geht. Mal schauen, ob ich mich Morgen wieder besser fühle und wir weiter ziehen.

Nadine hat gestern die Flüge nach Neuseeland gebucht. Wir werden Australien am 26. Januar ab Sydney verlassen und in der Nacht in Auckland ankommen. Es sind nun also nur noch 3 Wochen Zeit in „Down Under“ zu verbringen. Adelaide werden wir zu 99% streichen und uns dafür mehr Zeit in den Grampians nehmen. Von dort aus geht es langsam aber sicher durch die Berge nach Canberra und dann zum „Endziel“ Sydney.

K

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2 Kommentare zu “Tag 270 – 282 Mount Buffalo, Pinguin-Parade, Sylvester in Melbourne & die „Great Ocean Road“

  1. Wie immer Hammer-Bilder und ein cooler Bericht! Ich habe euch jetzt auch mal Bilder zugeschickt. Diese zeigen Regen, starke Bewölkung und ca. 6 Grad in Deutschland.Uns gehts gut :-)Alles Liebe und genießt die Zeit! Cool, ich bekomme dann Geburtstagsgrüße aus Neuseeland! Und einen Elb bitte, einen bestimmten 🙂 Grüße aus an Aragon!

  2. Ich will auch einen Pinguin :))))!!!Das sieht alles richtig gut aus und hört sich toll an! Schön, dass es euch gut geht!!!Liebe Grüsse,Sandra

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