Tag 363 – 368 Grenzüberschreitung, Angriff der Affen und Suche nach dem Ruhepol

Datum: 26.03.2012 – 01.04.2012 Orte:  Auckland, Neuseeland -> Sydney, Australien -> Denpasar, Indonesien -> Kuta -> Sanur -> Amed, Indonesien  Unterkunft: Motel Wetter: heiß!

Montag früh klingelte der Wecker ab 4.30 Uhr und schüttelte uns aus dem Bett. Abreisetag! Die Sachen waren schnell gepackt. Zeit für einen Kaffee und ein Mini Frühstück. Dann ging es auch schon mit dem Shuttle Bus zum Flughafen in Auckland. Am Check-In Schalter war nicht viel los. Daher waren die Formalitäten schnell erledigt. Bevor es durch den Sicherheits-Check ging, gab es noch einen Kaffee und eine Zigarette. Im Flugzeug machten wir es uns bequem. Ein so schnelles und reibungsloses Boarding habe ich noch nie erlebt. Obwohl die Maschine über 90% voll war, hatten alle Fluggäste innerhalb weniger Minuten die Sitzplätze eingenommen und wir waren für den Start bereit. Nur wenige Minuten vor dem Start bekam ich die Info, dass mein Gepäck geöffnet werden musste, da ich gefährliche Substanzen dabei hatte…???!!! Aha – wie sich schnell heraus stellte, fällt Mosquitospray unter die Rubrik „Gefahrengut“. Daher wurde es aus Sicherheitsgründen entfernt und entsorgt. Nun denn….

Der Flug nach Sydney verlief ereignislos. Dort hatten wir zwei Stunden Wartezeit und nutzen diese für ein frühes MIttagessen und um uns die Beine zu vertreten. Die Maschine nach Denpasar war nicht voll besetzt. So hatten wir eine Sitzreihe für uns und konnten uns breit machen! Da das Essen nicht im Flugpreis enthalten war, verzichteten wir darauf und nahmen nur Getränke zu uns. Nach etlichen Stunden in Flugzeugen kamen wir am späten Nachmittag Ortszeit in Denpasar auf Bali an. Mal wieder eine neue Zeitzone…wir sind nun nur noch 6 Stunden voraus. Nach den so ruhigen Wochen in Neuseeland traf mich das „Gewusel“ in Denpasar wie ein Schlag. Wir waren müde, hungrig, ausgetrocknet von den Klimaanlagen und mussten plötzlich mit 30 Grad feucht-schwüler Hitze und tausenden von Menschen um uns rum klar kommen. Natürlich stürmten vor dem Flughafen gleich 10 Indonesier auf uns zu, die uns was verkaufen oder uns mit ihrem „Taxi“ zum Hotel fahren wollten. Nach der ersten Zigarette waren wir schon völlig entnervt und ich wäre am liebsten zurück ins Flugzeug geflohen.

Wir handelten mit einem Taxifahrer einen Preis aus (immer ungefähr 40% von dem, was vorgeschlagen wird) und ließen uns ins wenige Kilometer entfernte Kuta bringen, wo wir für die ersten zwei Nächte ein Zimmer gebucht hatten. Indonesien ist das viert-bevölkerungsreichste Land der Welt und alleine auf Bali leben 4 Millionen Menschen (+ Touristen). In ganz Neuseeland leben nur 4 Millionen Leute! Nini liebt ja dieses Getümmel. Ich verabscheue es regelrecht.  Während Nini pulsierendes Stadtleben durch die Taxifenster sah, versuchte ich nicht gleich ein Magengeschwür zu entwickeln. Nach ca. einer halben Stunde hatten wir uns mit dem Auto durch die teils engen und völlig unüberschaubaren Gassen gequetscht und standen vor dem Hotel bzw. Bed & Breakfast. Wir wurden sehr herzlich begrüsst und hatten ein sehr hübsches Zimmer mit tollem Bad. Ein Stockwerk über uns war eine ausladende Dachterasse mit Blick über die Straße. Dort wurde auch morgens das Frühstück serviert. Ich blieb erstmal auf dem Zimmer und versuchte, den ersten Kulturschock zu überwinden. Wenn DAS ein Urlaubsparadis und der Traum von vielen Fernreisenden sein soll – dann möchte ich dieser Gruppe bislang nicht angehören. Nadine zog es gleich raus und sie ging die Umgebung auskundschaften. Zurück kam sie mit einem leckeren Essen und Getränken. 

In Indonesien werden wir uns nicht nur an eine neue Kultur & Umgebung gewöhnen müssen. Ohne zu sehr politisch werden zu wollen sei dennoch angemerkt, dass in Indonesien auf homosexuelle Handlungen immer noch die Todesstrafe als „Abschreckung“ angewandt wird. Bali selber ist weniger als der Rest des Landes vom Islam geprägt, da hier mehr buddistische und hinduistische Einflüsse gelten. Aber eine liberale Haltung können wir kaum voraus setzen. Da wir sowieso überall und andauernd gefragt werden, ob wir Geschwister seien, nehmen wir das als „Deckmantel“. (NINI: Ich denke ja das man uns „weisse“ eh nicht unterscheiden kann und deshalb nur gross und muskulösgebaut (räusper) sehen und dann auf Schwester oder Zwillinge tippen, war auf Fiji genauso)

Ich kann über Kuta wenig berichten. Tatsächlich hielt ich mich mehr im Zimmer auf und versuchte mich an die neue Situation zu gewöhnen. Daher wird Nadine hier einspringen müssen und ein paar Zeilen beitragen!

Nini: Kuta ist wuselig voll von Touristen und Balinesen. Alle 2 Meter bekommt man ein Taxi, Transport (Rückbank von nem Roller/Scooter), Massagen, Essen oder sonstiges angeboten. Nach einer Weile ist es echt anstrengend freundlich aber bestimmt zu verneinen. Der Strand von Kuta / Legian wäre eigenlich sehr schön, wenn er denn nicht so voll gemüllt wäre. Überall kleine Plastikfetzen, Papierchen und sonstiger kleinmüll. Nicht schön. On top kommen dann nocht die Verkaufsstände, und das ständige anbieten von Waren und Dienstleitungen…ermüdend. Aber es gibt auch schönes zusehen, die kelinen Altare an jeder Ecke mit oftmals sehr kunstvollen Steinskulturen, Häuser mit prachtvollen Verzierungen. Transporte von Mensch, Tier und Gegenständen die man in Europa nur sehr selten findet.

Alles in allem fand ich Kuta nicht so schlim wie Katja, durch die engen Gassen und mitunter alten Gemäuer hatte es trotz Touris und unendlichem Gewusel auch einen gewissen Charme. Man hat den Eindruck dass man so alles Besorgen und machen kann zu fast jeder Uhrzeit (morgensfrüh so gegen 6h war dann doch mal alles ruhig 😉

Nach zwei Nächten in Kuta zogen wir in unsere nächste Unterkunft ins wenige Kilometer entfernte Sanur. Im „Ballungsraum Süden“ merkt man gar nicht, wenn man die eine Stadt verlässt und in die nächste rein fährt. Alles ist dicht bebaut und optisch für das ungeübte Auge nicht zu unterscheiden. Die Bungalowanlage in Sanur wird gerade renoviert und wir hatten erstmal Probleme den Eingang zu finden. Die Begrüssung war nett aber weniger herzlich als in Kuta. Mit einem Willkommens-Drink wurden wir erstmal an den Pool gesetzt, bis unser Zimmer fertig war. Die Anlage selber ist recht nett – allerdings fehlt so der letzte Schliff. Das war uns allerdings schon bei der Buchung bewusst, denn wir haben aufmerksam die Bewertungen anderer Gäste im Internet gelesen. Bei mir hatte sich inzwischen ein „Magen-Darm-Problem“ eingestellt. So blieb ich in der Nähe der Toilette und zog es vor, mich einfach zu entspannen. Wir erkundeten am Abend den Strand und die umliegenden Straßen. Der Strand war leider super hässlich und lud uns keineswegs zum Baden ein. Wir tranken einen Kaffee in einer Strandbar und machten uns auf den Weg zurück. Inzwischen war sogar Nadine etwas entnervt, denn wir hatten Bali als „Badeparadies“ im Kopf. Entschuldigend muss man natürlich hier erwähnen, dass Nadine und ich in den vergangenen 12 Monaten mehr Traumstrände gesehen & erlebt haben, wie andere Menschen in ihrem ganzen Urlaubsleben nicht erreichen werden. Vielleicht sind wir inzwischen zu verwöhnt?! 

Alle 5 Meter wird man angesprochen, ob man ein Taxi braucht oder irgendeinen Schnick-Schnack kaufen will. In dieser Gegend sahen die Verkaufsbuden alle gleich aus und von der ganz hervorragenden Handwerkskunst Indonesien war nichts zu sehen. Bah – schnell weg hier!

Ein Frisör- und Massagestudio lag auf dem Weg. Nini sprang gleich rein und ließ sich die Wolle aus dem Nacken schneiden. Ich wartete draußen auf sie und beobachtete das bunte Treiben auf der kleinen Seitenstraße. Nach etwas mehr als einer halben Stunde kam Nadine wieder raus und war glücklich! Für umgerechnet 2,48€ ein Haarschnitt inkl. waschen & Kopfmassage. Ich ließ mich am nächsten Tag massieren. Eine echte Wohltat!

Wir fuhren am nächsten Morgen nach dem Frühstück mit einem Taxifahrer los, den wir in Kuta kennen gelernt hatten. Erstmal mussten wir ihm klar machen, dass er uns unter keinen Umständen zu irgendwelchen Geschäften fahren soll, die einem Schmuck etc. andrehen wollen. Auch keine anderen Umwege etc. Nach 10 Minuten war ihm klar, dass wir keinen Spaß machen und es uns ernst damit ist. Wir fuhren zum „Monkey Forrest“ kurz vor Ubud. Dort gingen wir in der Tempelanlage spazieren und schauten den lustigen Affen zu. Wenn die Tierchen allerdings Hunger haben, können sie schnell gefährlich werden. Nadine bekam das leider zu spüren, als sie von einem Affen angesprungen wurde, der ihre Taschen durchsuchen wollte. Der „Kampf“ war schnell zu Ende und Nini die Siegerin. Der Affe lebt übrigens noch! Danach schlenderten wir ein wenig durch Ubud und gönnten uns einen guten Kaffe, bevor es Richtung Norden weiter ging. Nächste Station war einer der Vulkane. Wunderschöne Landschaft! Hier gingen wir in ein Restaurant mit Aussichts-Terasse. Leider Touri-Abzocke mit für indonesische Verhältnisse überzogenen Preisen. Irgendwie bleibt dann doch ein fader Nachgeschmack. Zumal man auf dem Parkplatz wieder von 5 Verkäufern angesprochen wird. Eine Truppe Touris von der „Harley Fraktion“ war auch dort. Mit viel Getöse und einer „großen Show der gaaaanz harten Jungs“ wurde die Abfahrt minutenlang bei laufendem Motor vorbereitet. Als dann alle Restaurant Gäste mit ihren Tellern voller Essen in ausreichend Abgas eingenebelt waren, konnten die Herren endlich den Parkplatz verlassen. Ich bin wirklich dankbar, dass ich ein paar echt nette Harley Fahrer/innen kenne und es noch ein wenig Hoffnung gibt, dass ich noch ein wenig Sympathie empfinden kann.

Nach dem Besuch bei dem Vulkan machten wir uns auf den Heimweg. In meinem Darm klang es nicht gut 🙂 Die Fahrt dauerte ungefähr 2 1/2 Stunden für 60km.

Voller Vorfreude startete Nini in den nächsten Tag. Sie hatte sich mit Hilfe der Hotel-Rezeption ein Motorrad gemietet! Um 9.00 Uhr sollte es vor die Tür geliefert werden. Nach einer längeren Wartezeit kam eine Frau auf einem kleinen Roller an 😦 Was für eine Enttäuschung! Nach etwas hin und her entschieden wir uns dagegen. Entgegen der Zusage vom Vorabend, ein „richtiges“ Motorrad mieten zu können, war nur der Roller verfügbar und der dann noch unter Ausschluss jeglicher Haftung und Versicherung. Nein danke!

Ein Taxi-Fahrer hatte die Disskusionen mitbekommen und bot Nadine an, sie in die Stadt zu einer anderen Vermietstation zu fahren. Ca. eine 3/4 Stunde später kam Nadine dann mit einer 150´er Yamaha freudestrahlend vorgefahren. Mir war gar nicht wohl bei dem Gedanken, sie den ganzen Tag alleine auf der Insel in diesem völlig verrückten Verkehr rumfahren zu lassen. Nach einigen Minuten „auf sie einreden“ konnte ich sie wenigstens überzeugen, ihre Papiere alle mitzunehmen! Bei sowas kann meine liebe Freundin arg starrsinnig sein. Sie zog also los, die Insel zu erkunden und ich lag im Bett mit Kopfschmerzen & Durchfall. So richtig entspannen konnte ich mich auf nicht, da ich andauernd in Sorge war um meinen Schatz. Am Abend kam sie heil wieder nach Hause und zu meiner Überraschung war sie dankbar, dass ich ihr die Papiere mitgegeben hatte. Sie war unterwegs von der Polizei gestoppt worden. Da die Touristen gerne ohne internationalen Führerschein unterwegs sind, machen sie sich damit zum beliebten „Abzock-Objekt“. Laut unserem Taxifahrer kostet das dann schnell mal 100.000 RP (ca. 8,-€). Sie war an dem Tag 200km gefahren, um für uns ein nettes Fleckchen zu finden. Denn wir wollten beide nicht den Rest der Zeit im hässlich-touristischen Süden verbringen.

Nini: Genau (der Absatz liest sich ja als ob ich ein herzloses etwas wäre), ich war auf der Suche nach einem netten Fleckchen, heldehaft ganz alleine unterwegs im höllisch wuseligen Verkehr  (Fahrspuren sind hier generell nur eine „grobe“ Richtlinie und Moppeds fahren durch wo grade Platz ist) für Katja, für eine baldige Genesung von Magen Darm und Kulturschock. (Ich bin lustigerweise gar nicht so ge-kultuschockt, hab wahrscheinlich schon so viele Reiseberichte und Dokus von Asien gesehen, dass ich nicht geschockt war 😉

Achja…und ich bin mir sicher das die alte Geisterbahn im Phantasialand sehr auf die Kultur von Bali aufgebaut ist, dass mir hier vile der z.T. gruseligen Steifiguren sehr vertraut aussehen (jedes Jahr einmal Phantasialand als Kind hat also doch sein Gutes 😉 danke Mama)

So entschieden wir uns nach eingehender Internet-Recherche für das Örtchen Amed im Osten der Insel. Hier haben wir eine sehr schöne Unterkunft gefunden und ich entspanne zum ersten Mal wirklich seit unserer Ankunft. In einer kleinen aber feinen Bungalowanlage haben wir nun ein hübsches Zimmer. Ohne Firlefanz – aber mit allem, was wir brauchen. (Nini: Klimaanlage wäre nachts schon schön) Die Übernachtung inkl. Frühstück kostet gerade mal 12,50€. Dafür haben wir auch noch eine Terasse mit Blick aufs Meer (hinter den Häusern) und kostenlosen Internetzugang. Der Ort ist für seine Tauchreviere bekannt und wir werden voraussichtlich in den kommenden Tagen unseren Tauchschein machen 🙂

Die Einwohner sind alle super freundlich und hilfsbereit. Heute früh bekam ich vom benachbarten Restaurant einen „Health-Juice“ auf die Terasse geliefert. Viel Ingwer, Honig und weitere Zutaten, die den Magen beruhigen. Wir waren gestern und heute Abend dort Essen und es ist wunderbar lecker! Ich denke, hier werden wir das echte Bali erleben und viel Kontakt mit den Einheimischen haben. Darauf freuen wir uns nun!

Was uns bislang besonders fasziniert, ist die Vielzahl an Zweirädern. Hier fahren mehr Roller rum, als Deutschland Einwohner hat. Uns für die Einheimischen ist es gar kein Thema, mal schnell 2 Erwachsene und 4 Kinder auf einem Roller unter zu bringen oder Möbel etc. zu transportieren. Echt crazy! Bei längeren Fahrten bekommt das Kind, welches vorne im Fußraum steht, ein Kissen auf das Cockpit gelegt. So kann das Kin während der Fahrt im stehen schlafen 😉 Alles ohne Helme natürlich!

K +N

P.S.: Wir sind nun über ein Jahr unterwegs!

 

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4 Kommentare zu “Tag 363 – 368 Grenzüberschreitung, Angriff der Affen und Suche nach dem Ruhepol

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen Tourjubiläum! :-))Von den kampfbereiten Affen habe ich hier in meinem Bali-erprobten Freundeskreis auch schon gehört, allerdings haben sie im Vergleich zu Nini-San verloren ;-)Viel Spaß und hoffentlich schöne Momente auf Bali!Und natürlich Gute Besserung an deinen Magen, Katja!MelPS: Wieviele Paar Flip-Flops hat Nini eigentlich schon durch? 😉

  2. Hallo Mel,Nadine ist der festen Überzeugung, dass sie viel mehr läuft als ich. Daher benötigen ihre zarten Füsse alle paar Monate neue Flip-Flops! In der Tat sind die Flip-Flops unser größter "Verschleissartikel". ;-)LGKatja

  3. Nini, du bist eine Super-Heldin!!! Ich hoffe, dass ihr euren Bali-Aufenthalt jetzt richtig genießen könnt und der Tauchkurs viel Spaß macht! Gute Besserung Schwesterherz und danke für eure analoge Postkarte aus Neuseeland 🙂

  4. Der Verdauungsapparat hat sich inzwischen auf die neue Küche eingestellt!Freut uns, dass die Postkarte eingetroffen ist!

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