Tag 415 – 434 Heimreise mit Hindernissen & Alles zurück auf Anfang in Deutschland

Datum: 18.05.2012 – 06.06.2012 Orte: Lissabon, Portugal -> Algeciras, Spanien -> Calpe -> Spanien -> Frankreich -> Luxemburg -> Deutschland  Unterkunft: Hotel, Gästebett von Maria & Harald, Gästebett von Uschi & Ludwig, Gästebett von Melli & Roman Wetter: überwiegend sonnig & warm

Dieser Blogbeitrag is längst überfällig und trotzdem schiebe ich es vor mir her. Nicht nur, weil wir gerade viel um die Ohren haben, sondern auch, weil unsere Reise nun abgeschlossen ist. Dieser Tatsache blicken wir noch nicht so gerne ins Auge.

Ich springe also nochmal zurück nach Lissabon. Je länger wir uns mit den Speditionen „herum schlugen“ desto schneller wurde klar, dass wir uns selber darum kümmern müssen. Sonst hätte es uns nur noch mehr Zeit & Geld gekostet. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich leider wieder rapide. Die kurze „Schonzeit“ in Deutschland hatte mir leider nur für ein paar Tage die notwendige Erholung verschafft. Als Nini dann mit dem Vorschlag ankam, dass wir den Nachtbus von Lissabon über Sevilla nach Algeciras nehmen sollten, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. 14 Stunden im Bus sitzen waren nun gar nicht meine Traumvorstellung.

Wir buchten uns dennoch die Busfahrt für Samstag Nacht und verlängerten um einen Tag im Hotel. Den Freitag und Samstag nutzten wir für eine ausführliche Stadtrundfahrt und die Besichtigung der Hauptattraktionen. Am Abend holten wir unser Gepäck im Hotel ab und schauten uns noch die erste Halbzeit des CL-Finales der Bayern an. Dann ging es zu Fuß zum ca. 15 Gehminuten entfernten Busbahnhofs. Die Nacht verging überraschend gut & schnell. Gegen 6 Uhr waren wir in Sevilla. Dort hatten wir etwas über eine Stunde Wartezeit auf den nächsten Bus. Der Busbahnhof ist leider sehr ungemütlich und es gibt nur sehr wenige Sitzgelegenheiten. Wir machten es uns auf dem kalten Steinboden bequem und schauten eine Folge „Game of Thrones“ auf dem Netbook. Um kurz nach 7 Uhr brach plötzlich Hektik aus, denn der Bus traf ein. Wie sich heraus stellte, benötigten wir (und andere Fahrgäste) ein zusätzliches Ticket bzw. einen Computerausdruck der Reservierung. Der Schalter öffnete aber erst um kurz nach 7 Uhr und wir alle hatten im Bus in Lissabon die Auskunft bekommen, dass wir keine weiteren Tickets benötigen würden. So entstand eine große Aufregung. Glücklicherweise hatten wir die Ausdrucke alle dabei – anderen Fahrgästen erging es nicht so gut und sie mussten für die Fahrt ein neues Ticket kaufen, obwohl alles bereits bezahlt war. 

Nun ging es also von Sevilla nach Algeciras. Die Landschaft gefiel uns unheimlich gut. Grüne Täler und Hügel, kleine Flüsse und Bäche und überall Störche auf Futtersuche. So viele Störche auf einen Haufen habe ich noch nie gesehen und war ganz begeistert!

Gegen 10.30 Uhr kamen wir am Zielort an. Wir hatten ein Hotel ganz in der Nähe zum Fährterminal & Busbahnhof reserviert. Netterweise durften wir auch sofort auf unser Zimmer. Anscheinend waren wir mehr geschafft, als wir gedacht hatten – denn wir schliefen bis zum späten Nachmittag. Am Abend schlenderten wir durch die leeren Gassen. Der Ort wirkte ziemlich ausgestorben. Also wieder ab ins Bett mit den schönen Gedanken daran, dass wir am kommenden Tag unsere Motorräder endlich abholen können.

Der Montag startete mit einem einstündigen, unfreiwilligem Spaziergang, da uns Google Maps die Adresse des Spediteurs in einer falschen Straße anzeigte. Eigentlich hätten wir vom Hotel aus nur 500m nach rechts gehen müssen 🙂 Na ja, nun waren wir so weit gekommen…da macht ein kleiner Umweg nichts mehr aus. Beim Spediteur im Büro angekommen, mussten wir erstmal erklären, was ein Carnet ist und das wir die Zollabwicklung selber machen wollen. Natürlich wollten die Mitarbeiter diesen „Umsatz“ nicht ganz freiwillig aufgeben und machten uns das Angebot, dass wir „nur“ 30,- Euro anstelle von 50,- Euro für die Abwicklung bezahlen müssten. Aber auch darauf ließen wir uns nicht ein – schließlich hatten wir bereits genügend Ärger gehabt und sehen es nicht ein, für 3 Minuten Arbeit so viel Geld zu bezahlen. Wir schnappten uns die Carnets unter den Arm und gingen kurz zum Fährterminal rüber. Da es keinen direkten Zugang zum Zoll gibt, mussten wir erst einen Polizisten finden, der uns hinter die Personenabfertigung führt. Der Polizist sprach zwar kein Englisch – aber wir verständigten uns irgendwie. Der Chef vom Zoll nahm uns sogleich unter seine Fittiche. Er sprach „nur“ Spanisch und Französisch. Aber auch hier war mit ein paar Brocken von jeder Sprache eine Verständigung möglich und der Mann auch super freundlich. Innerhalb weniger Minuten waren unsere Carnets gestempelt und wir zurück auf dem Weg ins Spediteur-Büro. 

Die benötigten noch ein paar Kopien und dann wurden wir auch schon zum Hafengelände geleitet. Dort wurden wir von einem Mitarbeiter der Spedition ganz bequem bis zum Lager gefahren. Endlich war es soweit und wir konnten zu unseren Moppeds. Klasse – die Transe und die CBF hatten die Tour unbeschadet überstanden. Die Transportkisten durften wir im Lager lassen, ohne eine Gebühr bezahlen zu müssen. Nachdem die Batterien wieder angeklemmt und die Scheibe auf der Transe montiert waren, kam die erste Überraschung. Die Transe sprang problemlos an und bei der CBF ging gar nichts. Offensichtlich ist die Batterie austauschbedürftig. Aber wie schon so oft auf der Reise, bekamen wir sofort Hilfe von den Lagermitarbeitern. Ein Überbrückungskabel und ein elektrischer Gabelstapler waren schnell neben der CBF geparkt und dann war das Problem auch schon behoben. Ich hätte ja nie daran gedacht, dass ich die CBF mal an einen Gabelstapler anschließen würde 🙂

Wir verließen das Hafengelände und drehten eine kleine Runde durch die Stadt + tankten die Maschinen auf. Dann ging es zurück zum Hotel, um das restliche Gepäck zu verstauen. Zwei Frauen mit vollgepackten Maschinen fallen natürlich auf und wir hatten schnell Zuschauer im benachbarten Café. Nach einer kleinen Stärkung ging es los. Wir hatten uns entschieden, bis nach Granada zu fahren. Um keine Zeit zu verlieren, entschieden wir uns für die Autobahn. Kaum unterwegs, flog mir eine Biene in den Fahrweg und „krallte“ sich mit ihrem Stachel an meinem Bein fest. Na prima…. Am Abend waren wir beide platt und drehten nur eine kleine Runde durch die Stadt. Gerne wären wir länger geblieben und hätten uns die Sehenswürdigkeiten angeschaut. Aber besonders ich war völlig am Ende meiner Kräfte. Die letzten Wochen hatten mich körperlich und nervlich echt überstrapaziert. Ich hielt mich nur noch mit dem Gedanken senkrecht, bald in Calpe zu sein. So suchten wir uns ein nettes Hotel in der Nähe der Autobahnauffahrt und ließen dort den Abend ausklingen. Von unserem Zimmer aus hatten wir einen grandiosen Blick auf die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada. Ich war mehr als nur gefrustet, dass wir unsere Tour nun ohne eine intensive Entdeckung dieses Landstrichs fortführen mussten. Am nächsten Tag standen dann die etwas über 500km nach Calpe an. Die schneebedeckten Berge des Nationalparks wichen der kargen Felslandschaft. Besonders warm war es übrigens nicht. Wir trugen alle unsere Kleidung, um uns warm zu halten. Am frühen Nachmittag kamen wir in Calpe an! Was für eine Freude, unsere Familie wieder zu sehen. Nach 2 Tagen kam auch mein Vater und seine Lebensgefährtin an. Nun waren wir alle beisammen, feierten zwei Geburtstage und genossen die Sonne. Wobei ich die ganze Zeit fast nur im Bett lag und glücklich war, wenn ich von dem ohnehin kargen Essen was bei mir behielt. Daher waren wir nicht einmal am Strand oder sonst irgendwie unterwegs.

Nach 10 Tagen war klar, dass ich in diesem Zustand nicht mit dem Motorrad nach Hause fahren kann. Wir mussten eine Entscheidung treffen, die weder Nadine noch mir passte – die aber die einzige, sinnvolle Lösung war. Während ich gemeinsam mit meiner Familie im Auto nach Deutschland zurück fuhr, nahm Nadine mit der Transe die letzten 2000km der Reise unter die Räder. Die CBF mussten wir in Spanien zurück lassen. In zwei Wochen wird sie dort von einem Spediteur abgeholt und nach Hause gebracht.

An dieser Stelle einen großen Dank an unsere Familien, die sich so lieb um uns gekümmert haben und ohne deren Hilfe & Unterstützung die Rückreise nach Deutschland kaum möglich gewesen wäre.

Während Nadine pro Tag zwischen 500-600km alleine durch Spanien, Frankreich und Luxemburg kurvte, machte ich es mir im Auto bequem und fühlte mich am 2. Tag fit genug, um meinen Papa mal für 100km beim Fahren abzulösen. Danach genoss ich noch die Pflege und die Gästecouch in Hessen. Meine Schwester brachte mich dann nach Köln, um Nadine am Abend in Empfang zu nehmen. In der kürze der Zeit schmückten wir den Eingang des Hauses mit ein paar Luftballons, Luftschlangen und „blockierten“ ihr einen Parkplatz. Am Abend bog sie in die Straße ein und brachte die Reise zum Abschluss!

Wow – nun sind wir also wieder ganz zurück und das Leben in Deutschland beginnt von vorne. Ich habe mich entschieden, an dieser Stelle den Blog NICHT zu beenden. Denn nicht nur für uns wird es spannend sein, wie wir uns wieder in das Leben hier integrieren werden, welche Herausforderungen zu meistern sind und wie es sich anfühlen wird. Wir werden eine neue Wohnung beziehen, Jobs suchen, die Webseite überarbeiten, Kontakte pflegen und unsere Reise immer in unseren Gedanken haben.

Ich werde weiter schreiben – in größeren Abständen zwar, aber immer unter dem Motto:

„NACH DER REISE IST VOR DER REISE“

K

P1160143P1160151P1160152P1160153P1160155P1160157P1160158P1160161P1160166P1160173P1160163P1160224P1160265P1160325P1160345P1160364P1160365P1160372P1160380P1160382P1160392P1160397P1160385

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s